Der Verein "Ostpommern e. V. - Verein für Familienforschung und Heimatkunde" bzw. vormals die Arbeitsgemeinschaft "Orts- und Familienforschung Schlawe" veröffentlicht in der Pommerschen Zeitung, im Sedina-Archiv, in den Baltischen Studien und in der Zeitschrift Pommern.


Am 13.12.2003 erschien in der Pommerschen Zeitung der Artikel über die Verwaltung und die Mitarbeiter des Schlawer Rathauses zwischen 1925 und 1937. Eine Auswertung der Schlawer Adressbücher von Mathias Sielaff.

Drei Jahre keine Veränderungen

Die Behörden der Stadtverwaltung Schlawe zwischen 1925 und 1937


Immer häufiger werden Namens- und Adressbücher als Quellen für die Orts- und Familienforschung entdeckt. Dies gilt auch, wenn man anhand der Behördenregister den Wandel der Stadtverwaltungen nachzeichnen will. Für die Stadt Schlawe und ihre städtischen Behörden stehen für diese Zwecke die Stadtadressbücher von 1925 und 1937 sowie das Kreisadressbuch von 1928 zur Verfügung. Über die Ämter und ihre Beamten in den Jahren vor Kriegsbeginn lassen sich noch viele Erkenntnisse durch den Vergleich dieser drei Quellen ermitteln.

Bei den Behörden in Schlawe muss generell zwischen städtischen und staatlichen Behörden unterschieden werden. An der Spitze der städtischen Behörden stand natürlich die Stadtverwaltung mit dem Magistrat. Ihr Vorsitzender war 1928 der Bürgermeister Albrecht Lenz, erster Beigeordneter war der Kaufmann Heinrich Pumplun. Paul Raddatz, Friedrich Segler, Paul Scheel und Friedrich Bach waren die vier Ratsherren der Stadt.

Bürgermeister Lenz war 1925 bereits seit drei Jahren im Amt. Bis auf Paul Scheel waren auch die Ratsherren im Jahre 1925 ebenfalls schon im Amt. Sein Vorgänger war 1925 August Steinhorst. Gustav Schewe war zu dieser Zeit erster Beigeordneten des Magistrats. Im Jahre 1937 ergab sich ein ganz anderes Bild. Das Amt des Bürgermeister bekleidete seit 1936 Willy Stübs. Das Amt des ersten Beigeordneten bekleidete Wilhelm Zypries. Die Ratsherren waren Max Hasse, Otto Keller, Paul Tetzlaff, Erwin Zoske.

Selbstverständlich waren diese Organe im Rathaus am Marktplatz untergebracht. In der Mitte des Marktplatzes stand einst das alte Rathaus, welches um 1768 wegen Baufälligkeit abgebrochen und an der westlichen Marktseite neu erbaut worden war. 1775 erhielt das Rathaus seinen Turm, in welchem eine Uhr aufgestellt wurde.

Ebenfalls im Rathaus war die Stadtverwaltung von Schlawe angesiedelt. Für die Allgemeine Verwaltung war 1928 Stadtinspektor Karl Gerth zuständig. Daneben befanden sich noch das Magistratsbüro mit Magistratsobersekretär Paul Pommerening, das Steuerbüro mit Stadtsteuersekretär Artur Schulz, das Wohnungsamt mit Magistratssekretär Ernst Babkowski sowie das Stadtbauamt mit Stadtbaumeister Theodor Suhr in dem Gebäude. Außerdem gab es das Standesamt mit Stadtinspektor Gerth, die Kämmerei- und Stadthauptkasse mit Stadthauptkassenrendant Artur Legal, die Registratur mit Registrator Hermann Groth sowie das Einwohnermeldeamt mit dem Vorsteher Polizeiobersekretär Robert Raddatz. Die Dienststunden im Rathaus waren im Sommerhalbjahr 7 - 13 Uhr, 15 - 18 Uhr, Mittwoch und Sonnabendnachmittag dienstfrei, im Winterhalbjahr 8 - 13 Uhr, 15 - 18 ½ Uhr, Sonnabend bis 13 ½ Uhr, dann dienstfrei.

Auch die Polizei-Verwaltung befand sich im Rathausgebäude. Leiter des Polizeibüros war 1928 Polizeiobersekretär Robert Raddatz. Als Exekutivbeamte werden Polizeimeister Adolf Puhl, Polizeiassistent Karl Papenfuß, Polizeiassistent Karl Mielke, Polizeiassistent Herbert Malzahn aufgeführt. Letzterer war auch Vollziehungsbeamter. Sämtliche Namen waren gegenüber den Angaben des Adressbuches von 1925 unverändert geblieben. Ob dies ebenfalls für die genannten Öffnungszeiten zutrifft, kann nur vermutet werden.

Im Jahre 1937 hatten sich die Verhältnisse und mit ihnen viele Namen im Schlawer Rathaus grundlegend geändert. Die Hauptverwaltung setzte sich nun aus dem Leitenden Bürobeamten Stadtoberinspektor Karl Gerth und dem Stadtinspektor Walter Maaß zusammen. Im Stadtbauamt versahen der Stadtbaumeister Theodor Suhr und Stadtbauinspektor Otto Kasch ihren Dienst. Der Stadtinspektor Artur Schulz und Stadtsekretär Karl Mickley besetzten das Steuer- und Rechnungsamt während in der Stadthauptkasse Stadtrendant Gerhard Buß, Stadtkassensekretär Otto Pramschiefer sowie Stadtsekretär Ernst Babkowsli tätig waren.

Auch die Polizei hatte 1937 viele neue Namen und darüber hinaus auch personellen Zuwachs erhalten. Den Dienst versehen Stadtinspektor Erich Papenbrook, Polizeimeister Ernst Raabe sowie die Polizei-Hauptwachmeister Karl Mielke, Herbert Malzahn, Heinrich Stassat, Karl Grzebin, Karl Jesse und Albert Barz.

Die Stadt-Sparkasse Schlawe mit Bankabteilung, die 1885 gegründet wurde, war in einem Rathausanbau untergebracht. Die Öffnungszeiten entsprachen 1928 denen des Magistrats. Rendant war Stadtsparkassendirektor Franz Schröder, die Bankabteilung versah Obersekretär Franz Manzke, Kassierer war Sparkassen-Obersekretär Ernst Schroeder. Die Namen sind bereits die gleichen wie 1925, auch 1937 haben sie sich nicht geändert.

Weitere städtische Behörden außerhalb des Schlawer Rathauses waren die Stadtförsterei sowie die Städtisch-technischen Betriebe (Gasanstalt und Wasserwerk). Zu den staatlichen Behörden in Schlawe zählten u. a. das Postamt, die Eisenbahnverwaltung, das Amtsgericht, Finanz-, Kataster-, Kultur- und Zollamt sowie das Preußische Hochbauamt. Daneben gab es auch noch eine Reihe von Ämtern, die für die Kreisebene zuständig waren und im Kreishaus ihren Verwaltungssitz hatten.

All diese Angaben stammen aus den drei existierenden Adressbüchern der Stadt und des Kreises Schlawe. Was das Kreisadressbuch von 1928 betrifft, so hat die Arbeitsgemeinschaft "Orts- und Familienforschung Schlawe" in ihrer diesjährigen Veröffentlichung die Inhalte dieses Werkes erfasst, ausgewertet und neu zusammengestellt.

Neben dem umfangreichen Branchen- und Behördenregistern werden die Einwohner und Adressen der vier Städte Pollnow, Rügenwalde, Schlawe und Zanow sowie die Bewohner von 140 Gemeinden und Gutsbezirken aus dem Kreis aufgelistet. Für alle Gemeinden und Güter gibt es zusätzlich viele weitere Angaben über Verwaltung, Gemeindevorsteher, Stellvertreter, Einwohnerzahlen etc.

Das Buch schließt ab mit einem vollständigen Namensregister, in welchem die Familiennamen ausgewertet und die Häufigkeit ihres Erscheinens in den jeweiligen Orten des Kreises Schlawe angegeben werden.

Arbeitsgemeinschaft "Orts- und Familienforschung Schlawe" : Das Adressbuch des Kreises Schlawe 1928; ca. 350 Seiten DIN A4-Format, eine Landkarte, Preis: 32 EURO, zzgl. Versand.

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Mathias Sielaff, Poppensiek 41a, 32584 Löhne, Tel. 05732/3684, E-Mail: mathias.sielaff@ostpommern.de